Bei Fragen und Unsicherheiten rund um die Gesundheit konsultiert man einen Arzt. Manchmal kommt es jedoch vor, dass einem wegen Unsicherheiten gar keine Fragen in den Sinn kommen. Sowas kann zum Beispiel passieren, wenn man sich denkt: „Ist nichts Halbes und nichts Ganzes.“ Dieses Nichts-Halbes-Nichts-Ganzes-Gefühl tragen vor allem Hypermobile oft mit sich herum. Nur: Woher weiß man eigentlich, ob man hypermobil ist, wenn einem gar nicht einfällt, danach zu fragen?


Hypermobiliät verbinden viele Leute wahrscheinlich mit sowas:

Gelenke, mit denen man locker in Shows auftreten könnte, sind in der Tat ein unmissverständliches Zeichen für Hypermobiliät. Doch selbst wenn man nicht so biegsam ist, schließt das eine Betroffenheit nicht aus. Bei zu viel Spielraum in den Gelenken setzt zum Schutz nämlich sehr oft ein erhöhter Muskeltonus ein, der die entsprechenden Körperregionen stabilisiert und somit das Verletzungsrisiko senkt. Mitunter kommen Hypermobile dadurch sogar noch steifer daher als Nicht-Hypermobile. Unglücklicherweise ist dies Ärzten oft nicht klar, was voll blöd ist, denn Beschwerden existieren in so einem Fall ja trotzdem.

Tja nu. Was, wenn nicht Überbeweglichkeit oder der Onkel Doktor, verrät einem denn sonst noch, ob man hypermobil ist? Hier ein paar Orientierungshilfen:

Gerade ist schwer

Wenn ihr euch oft dabei ertappt, dass ihr, anstatt gerade zu sitzen, bevorzugt ungewöhnliche Sitzhaltungen einnehmt, könnte dies ein Hinweis auf Hypermobiliät sein. Viele Hypermobile fühlen sich unwohl, ihren Körper lange Zeit in ein und derselben Position halten zu müssen, deshalb weichen sie diesem Unbehagen instinktiv aus. Ich beispielsweise muss bei Tisch grundsätzlich ein Knie zur Brust ziehen und den entsprechenden Fuß auf den Stuhl stützen. Ist das nicht möglich, schlinge ich unter der Tischplatte meine Beine umeinander.

Superkräfte

Habt ihr Superkräfte? Könnt ihr euch zum Beispiel leicht zwischen Hindernissen hindurchschlängeln, seid ihr beneidenswerte Tänzer, sind eure Babys nur so aus euch herausgeflutscht oder könnt ihr gut und schnell klettern? Wenn ja, dann seid ihr vielleicht hypermobil.

Plopp! Aua!

Passiert es euch manchmal, dass bestimmte Gelenke sich anfühlen als wären sie zu locker verschraubt? Habt ihr beim Heben schwerer Lasten den Eindruck, eure Oberarmknochen lösen sich vom Körper? Rasten eure Knie beim Bücken aus und lassen euch nicht mehr aufstehen? Wenn euch sowas oder ähnliches öfter passiert, könnte eine Hypermobiliät zugrunde liegen.

Mal so, mal so

Wenn euch euer Körper unberechenbar erscheint und immer neue (oft negative) Überraschungen passieren, könnte sich auch dahinter eine Hypermobiliät verbergen. Mal bricht ein Symptomhagel über euch herein und mal geht es euch so gut, dass ihr beginnt, an euch selbst zu zweifeln. Das Vertrauen in euren Körper zeichnet sich mithin durch lauter tiefe Krater aus und ihr wisst nicht: Soll ich zum Arzt oder lieber zum Psychiater?

Sport ist Mord

Der gute Wille, sich sportlich zu betätigen, fliegt euch oftmals regelrecht um die Ohren. Dabei geht ihr schon so achtsam und langsam wie nur möglich vor. Erste Erfolge lassen euch zu Beginn glauben: Jetzt hab ich’s endlich im Griff – und dann: Boom! Alles auf Anfang. Oder schlimmer.

Leere Batterien

Sind eure Batterien schnell leer? Habt ihr also das Gefühl, eure zunächst randvollen Energiespeicher sind von einer auf die andere Sekunde erschöpft? Werdet ihr schon beim Gedanken an eine bevorstehende Feier, die bis spät in die Nacht gehen soll, hundemüde? Benötigt ihr eher viel Schlaf, um tagsüber zu funktionieren? Hypermobiliät könnte der Grund dafür sein.

Zimmerpflänzchen

Mein Mann nennt mich oft Zimmerpflänzchen. Er findet es amüsant, dass meine Wohlfühltemperatur zwischen 25 Grad und 25,2 Grad liegt; dass meine Mahlzeiten, um für mich verträglich zu sein, gewisse Anforderungen erfüllen müssen; dass ich vor längeren Autofahrten etwas gegessen haben muss, damit ich nicht unterzuckere und anfange, zu lallen; dass ich oft lieber auf der Couch liege als mich aufzuraffen, um in ein Restaurant oder ins Kino zu gehen; dass Spaziergänge durch den Wald mir gut tun können und ein kurzer Treppenaufstieg gleichzeitig dazu führt, dass ich hyperventiliere und um Erlösung bettle. Geht’s euch auch so? Naja, ihr wisst, was jetzt kommt.

Auf in die richtige Sprechstunde

Nun da ihr wisst, was außer Biegsamkeit ebenfalls auf eine Hypermobiliät hindeuten kann, seid ihr hoffentlich gut für die nächste Sprechstunde bei eurem Arzt gewappnet. Dieser kann all eure Hinweise in einer hoffentlich zutreffenden Beurteilung vereinen und euch bei Bedarf eine Behandlung verschaffen, die eure Beschwerden lindert. Ist euer Arzt allerdings eher verschlossen oder verfügt über zu wenig Wissen, besucht ruhig einen Experten, wie etwa einen Genetiker. Dieser kann dann auch gleich die genetische Ursache eurer Hypermobiliät untersuchen, sofern vorhanden. Steht bei euch der Verdacht einer Kopfgelenksinstabilität im Raum, wird die Untersuchung auf Hypermobiliät gleichsam zu einem wichtigen Puzzlestück für die üblicherweise vielschichtige Diagnosestellung.


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