Therapie

Die Therapie von CCI/AAI gestaltet sich knifflig. Können die vielen Symptome nicht länger verkraftet werden und besteht die Gefahr irreversibler neurologischer Schäden, gilt dies als dringende Indikation für eine operative Versteifung der Kopfgelenke. Da diese Maßnahme jedoch sehr viele Risiken birgt, werden zunächst andere Ansätze ausgeschöpft, Ansätze, die vor allem die eigenen Ressourcen nutzen und den Schutz der Mitochondrien zentralisieren.


Koordination, Muskelaufbau & Bewegung

Wenn etwas instabil ist, muss es stabilisiert werden. Soweit logisch. Bei einer Kopfgelenksinstabilität können und sollten Betroffene jedoch nicht einfach drauf lostrainieren – es sei denn, sie möchten eine Verschlimmerung ihrer Symptome, unter anderem durch eine Verfestigung muskulärer Dysbalancen, riskieren.

Unter Aufsicht eines mit CCI und AAI vertrauten Therapeuten können isometrische und gerätegestützte Trainingsvarianten erarbeitet werden. Diese richten sich jedoch streng nach den individuellen Voraussetzungen der Patienten und sollten nicht als pauschale Empfehlung für jedermann dienen. Als Grundsatz gilt:

Jede Intervention sollte stets mit einem auf CCI/AAI spezialisierten Arzt besprochen, geplant, überwacht und evaluiert werden! Was dieser Blog präsentiert und verbreitet, sind hingegen keine ärztlichen Ratschläge oder Empfehlungen, sondern lediglich meine persönlichen Erfahrungen und Wissensschnipsel. Das bedeutet konkret: Dieser Blog kann ein ärztliches Urteil nicht ersetzen, sondern nur zu Inspiration verhelfen!

Das A und O: Bauch, Beine, Po

Zunächst einmal nützt es wenig, sich ganz viele Muskeln anzutrainieren, wenn man diese durch zum Teil jahrelange Fehl- und Schonhaltung nicht mehr koordinieren bzw. gezielt ansprechen kann. Die Einleitung einer effektiven Verbesserung sollte deshalb stets ein Koordinationstraining sein. Leider bedeutet das, täglich Übungen absolvieren zu müssen, die sich nicht besonders hilfreich oder stärkend anfühlen. Muskelaufbau passiert aber dennoch, nämlich dort, wo er eigentlich gebraucht wird: in der Tiefenmuskulatur. Ein paar dieser langweiligen Übungen könnt ihr in diesem Buch entdecken.

Was oft vergessen wird, ist, dass die Halswirbelsäule nicht allein durch die Hals- und Nackenmuskulatur gehalten wird. Da alle Strukturen im menschlichen Körper miteinander verbunden sind und somit interagieren, braucht es ebenfalls die Unterstützung weiter entfernter Muskeln.

Viel Aufmerksamkeit erfahren von mir deshalb die wichtigsten Stabilisatoren der gesamten Wirbelsäule: mein Po, mein Bauch, meine Oberschenkel. Sind alle diese Muskelgruppen gut trainiert, wird die Halswirbelsäule um ein nicht zu verachtendes Maß entlastet, weshalb ausgiebige Übungseinheiten für mich zur täglichen Routine gehören. Unterstützend schaue ich mir Pilates-Videos zum Schwerpunkt Bauch, Beine, Po auf YouTube an. Inspiration ist schließlich nie verkehrt.

Mir persönlich helfen isometrische Übungen, darunter der Unterarm- und der Seitstütz.

Verhalten

Waghalsige Manöver (im wahrsten Sinne des Wortes) sind mit einer Kopfgelenksinstabilität nicht empfehlenswert. Dazu zählen unter anderem:

  • Achterbahnfahrten
  • Stunts
  • Sprünge aus großer Höhe ins Wasser
  • Fallschirmsprünge
  • Headbanging
  • kopflastige Akrobatik
  • Kopfstand
  • Boxen
  • Friseurbesuche – jedenfalls die, bei denen einem die Haare gewaschen werden
  • Marathon laufen (die Erschütterungen sind Mist, ebenso der zu große Energiebedarf, den Mitochonder nicht aufbringen können)

Stattdessen achte ich darauf, meinem Kopf größtmögliche Unterstützung zu bieten, insbesondere während des Schlafs. Zu den Basics zählen hierbei eine gute Matratze und ein anpassungsfähiges Nackenkissen. Mein persönlicher Liebling ist das Stillkissen. Halskrausen meide ich, wenn möglich, da Muskulatur durch sie innerhalb kurzer Zeit atrophiert (verkümmert) und das Beschwerdebild vergrößert wird. Manche Situationen erfordern aber eine Halskrause, weshalb immer geschaut werden sollte, dass der Nutzen dem Schaden überwiegt.

Zudem versuche ich, mich zu Fuß viel auf unebenem Gelände zu bewegen (im Wald zum Beispiel), gleichzeitig aber unkontrollierbare Erschütterungen des Kopfes zu vermeiden. Moderate Spaziergänge an der frischen Luft sind das absolute Optimum! Denn Sauerstoff hemmt die Bindung von Stickstoffmonoxid (NO) an die Mitochondrien und verhindert somit, dass diese weiteren Schaden nehmen (Kuklinski & Schemionek, 2020). Muskelbelastung aktiviert darüber hinaus den Parasympathikus und reduziert den Sympathikusstress (Kuklinski, 2018).

Psychohygiene

Als Wackeldackel sind wir es leid, von Ärzten in die „Psychoschiene“ verfrachtet zu werden. Dennoch wäre es unklug, ihr deshalb den Rücken zu kehren. Denn wenn tief in uns das Meiste im Lot ist, geraten auch körperliche Baustellen allmählich wieder in ihr Gleichgewicht – oder zumindest wird diese Entwicklung unterstützt. Lasst euch also bloß nicht einreden, ihr hättet auf eure Gesundheit keinerlei Einfluss.

Meditation

Meditation ist meiner Überzeugung nach die wirkungsvollste Heilmethode. Wer es schafft, seine Gedanken täglich für nur einen Moment abzustellen, erzeugt sogleich einen gereinigten Nährboden für körperliche Veränderungen. Wenn ihr wissen wollt, was ich damit meine, lasst euch von mir auf ein Experiment einladen – zugegeben, ihr kennt es wahrscheinlich schon:

Denkt mal in diesem Augenblick an eine pralle Zitrone. Stellt euch vor, wie ihr sie schält und Saft aus ihrem Fruchtfleisch drückt. Stellt euch vor, wie ihr beherzt hineinbeißt und Gänsehaut euch übermannt. Na? Ist auch euch, so wie mir beim Schreiben, das Wasser im Mund zusammengelaufen?

Unsere Gedanken können jedweden Körperprozess initiieren, ob er uns hilft oder nicht. Die meisten Menschen denken täglich tausende Gedanken, die ihnen nicht helfen, und nur wenige, die ihnen gut tun. Früher oder später transformieren sich Gedanken und werden zu körperlichen Reaktionen – wie wenn man an eine Zitrone denkt und der Speichelfluss aktiviert wird. Unterbricht man allerdings die negative Gedankenkette durch Meditation, werden biochemische Prozesse, die nicht zu unseren Gunsten arbeiten, sozusagen auf Neustart gestellt. Je öfter, umso besser. Mehr dazu später an anderer Stelle.

Stressreduktion

Mithalten müssen – das ist ein Anspruch, dem viele Leute ihr Leben lang hinterherhetzen. Gelingt dies aufgrund von Krankheit plötzlich nicht mehr, muss (zum Glück) ein neuer Orientierungspunkt her. Wie wär’s mit den eigenen Bedürfnissen? Das Leben ist schließlich kein Wettkampf, mag es uns auch anders beigebracht worden sein. Es ist dazu da, dass jeder von uns seinen individuellen Platz findet, wo er bestmöglich wirken und Erfüllung finden kann. Dazu braucht es nicht zwingend einen Doktortitel.

Ach, wusstet ihr nicht? Doch, doch: Prestige und Glück sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Aber unter Druck und in permanenter Hektik kann man sowas schon mal vergessen. Ganz normal, dass dann der Blick auf persönliche Ziele verloren geht und man mitunter Jahrzehnte völlig entgegen seiner Natur lebt. Sowas ist anstrengend, nicht wahr? Sowas stresst. Und genau deshalb macht sowas krank.

Klingt ein bisschen infantil, oder? Man hat schließlich Verantwortung zu tragen und kann sich deshalb nicht einfach irgendwelchen Fantastereien hingeben. Ein Leben ohne Stress gibt es doch sowieso nicht. Und das stimmt auch – wenn einem der Unterschied zwischen gutem (Eu-) und schlechten (Dis-) Stress pupsegal ist. Stress muss nämlich nicht negativ sein. Wenn er es ist, sollte man zusehen, dass man ihm aus dem Weg geht.

Mikronährstoffe

Um die erheblichen Mangelzustände einer CCI zu kompensieren, sollten die stark beanspruchten Stoffe dem Körper täglich wieder zugeführt werden. Einen hohen Stellenwert nimmt dabei die Reduktion von NO ein, also eine Verminderung des Nitrosativen Stresspegels.

Beachtet werden sollte laut Kuklinski: „Mikronährstoffe dürfen nicht wahllos eingesetzt werden. Sie sind in ihrer Wirkung zum Teil aufeinander angewiesen, sodass eine bestimmte Therapieabfolge eingehalten werden muss, um den Körper nicht noch zusätzlich zu schaden […](Kuklinski & Schemionek, 2016)

Ein Beispiel: Wenn Zink eingenommen wird, verringert sich das Vitamin B6-Depot im Körper und sobald Vitamin B6 eingenommen wird, sinkt umgekehrt auch das Zink-Depot.

Da Nitrosativer Stress Vitamin B12 abbaut, ergibt es sich beinahe von selbst, dass Menschen mit CCI regelmäßig hohe Dosen Vitamin B12 substituieren sollten, um ihrem erhöhten Bedarf gerecht zu werden. Laut Myhill (2018) sollte dies täglich am Morgen in Form von subkutanen Injektionen erreicht werden. Zu beachten ist, dass eine Vitamin-B12-Dauertherpie sowohl Folsäure als auch Biotin stark beansprucht, wodurch beides ebenfalls zugeführt werden sollte. Zu weiteren Stoffen, die gegen NO wirken, gehören Vitamin E, Vitamin C, Taurin, Melatonin, N-Acetylcystein und α-Lipidsäure (Kuklinski, 2018, S. 183) Weitere Stoffe, die in Absprache mit einem erfahrenen Arzt aufgefüllt werden sollten: Vitamin B6, Kupfer, Kalium, Magnesium, Selen, Eisen und Zink.

Hier geht’s zum Mikronährstoffkompass I, II und III. Weitere folgen.

Ernährung

Allein mit dem Schlucken von Mikronährstoffen ist niemandem geholfen. Damit diese überhaupt wirken können, braucht es einen aufnahmefähigen Organismus. Dies gelingt am besten über eine Ernährungsumstellung. Laut Kuklinski (2018) gilt es, dabei ein paar wichtige Punkte zu beachten:

  • Bevorzugung regionaler und saisonaler Nahrungsmittel, denn so bleiben die Lebensmittel und die darin enthaltenen Nährstoffe über kurze Transportwege besser erhalten
  • essen, was verderben kann, aber noch nicht verdorben ist
  • Nahrungsmittel verspeisen, die verderben können, aber noch nicht verdorben sind
  • Fertiggerichte meiden

Aber warum das alles?

Nun, zunächst einmal müssen wir uns die modernen Ernährungsgewohnheiten vor Augen führen: Pizza, Burger, Fertiggerichte, Weißbrot mit Schinken, McDonalds. In all diesen sogenannten Lebensmitteln ist alles Mögliche enthalten, nur eben keine brauchbaren Nährstoffe. Einer dieser Inhaltsstoffe ist Nitrat, welches im Körper in Stickstoffmonoxid umgewandelt wird, also nitrosativen Stress verursacht.

NO in hoher Konzentration ist deshalb so gefährlich, weil es sich mit Vorliebe von Vitaminen ernährt. Beispielhaft sei hier das Vitamin C genannt, welches unter anderem im Magensaft enthalten ist (Kuklinski, 2015). Fehlt Vitamin C im Magen, fehlt diesem Organ ebenso ein wichtiger Schutzfaktor, sodass Keime, wie Helicobacter pylori, freies Spiel haben. Auch in den Augen, genauer gesagt im Augenwasser ist Vitamin C enthalten, nämlich eine 20 bis 35-fach höhere Konzentration als im Blut (Kuklinski & Schemionek, 2020). Fehlt es dort an Vitamin C, kann es zu verschiedenen Augenerkrankungen kommen (Glaukom, Makuladegeneration, Katarakt…).

HWS-Geplagte reagieren besonders empfindlich auf Kohlenhydrate. Warum? Weil nitrosativer Stress einerseits deren Verarbeitung erschwert, sodass das Zellmilieu sauer wird und sich noch mehr oxidativer Stress entwickelt. Andererseits entsteht aus kohlenhydratreicher Nahrung Laktat und das wiederum stört die Bildung von Adenosintriphosphat (ATP), also von Energie. Und damit gibt’s auch mehr Symptome und es entstehen Krankheiten.

Übersetzt heißt das alles: Die Energieversorgung des Organismus geht durch die falsche Ernährung zugrunde. Das bedeutet aber auch, dass mit einer besseren Ernährung Chancen einhergehen. Zum Beispiel sind Kohlgewächse reich an Vitaminen und Mineralstoffen und sie beinhalten die schwefelhaltige Aminosäure Methionin, die sehr wichtig für die Entgiftung der Mitochondrien ist.

LOGIsch essen

Das Hauptziel einer Ernährungsumstellung ist also die Verbesserung der mitochondrialen Arbeit (mehr über Mitochondrien). Dr. Kuklinski (2020) empfiehlt basierend auf seiner langjährigen Erfahrung mit Instabilos und Mitochondern zu essen wie ein Steinzeitmensch oder anders formuliert: LOGI (Low Glycemic Index)-Kost.
Gemieden werden sollten:

  • Wurst
  • gepökeltes Fleisch
  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • glukose- und fruktosehaltige Früchte
  • nitratreiche Lebensmittel (Blatt- und Wurzelgemüse, Karotten, Mohrrüben, rote Beete, Spinat, Eisberg- und Feldsalat)
  • Bio-Kost ist ok, da in der Regel kein Stickstoffdünger eingesetzt wird

Erlaubt sind:

  • dunkles Brot
  • Kartoffeln (in Maßen)
  • Gemüse
  • gesunde Fette (Butter, Sahne, saure Sahne, fetter Joghurt, Käse, Raps- und Olivenöle)
  • proteinhaltige Lebensmittel

Wasser

Wer trinkt heutzutage schon ausreichend Wasser? Ausreichend vielleicht, aber bestimmt kein Wasser. Wasser vielleicht, aber nicht ausreichend.

Bekommt der Körper zu wenig Wasser, nimmt er das nicht unkommentiert hin. Er schüttet hohe Konzentrationen Histamin aus, was zur Ausprägung verschiedener Allergien führt und die durch CCI ohnehin schon gereizten Nerven zusätzlich stresst. „Wird der Körper wieder mit Wasser versorgt, verschwindet das Histamin aus den Körperregionen, in denen es eigentlich gar nicht vorkommen sollte. Die Histaminproduktion wird im selben Maße gedrosselt, wie Wasser zugeführt wird.“ (Batmanghelidj, 2018)

Behandlungsmethoden

Wenn Heilung passiert, sind eigentlich nie andere dafür verantwortlich, auch wenn wir es gern so hätten. Jemanden zu haben, der uns begleitet und ermutigt, ist dennoch ohne Frage ein wichtiger Teil dieses Vorhabens.

Dorntherapie

Dorntherapie ist eine wissenschaftlich nicht anerkannte Methode. Ihre Wirkung erzielt dieses Verfahren durch sanfte Korrekturhandgriffe des Beckens und der Wirbelsäule, die durch Eigenbewegungen des Patienten unterstützt werden. Das Ziel umfasst die Wiederherstellung der Funktionen des Bewegungsapparats und zugleich eine positive Beeinflussung strukturgebundener Organe und Organsysteme.

American Chiropractic vs. Chiropraktik vs. Chirotherapie

Niemand, dem sein Leben lieb ist, schon gar nicht Menschen mit instabilen Kopfgelenken sollten sich „einrenken“ lassen, lese und höre ich immer wieder und jedes Mal stellen sich mir die Nackenhaare auf. Wie sagte einst mein Chiropractor? „Müssten Ihre Wirbel eingerenkt werden, lägen Sie bei einem Neurochirurgen auf dem OP-Tisch, nicht bei mir. Ich justiere nur.“ Der eigentliche Punkt ist aber nicht die begriffliche Haarspalterei, sondern zum einen die Frage, wer justiert – ein Orthopäde mit einer ein Wochenende umfassenden Zusatzausbildung in Chirotherapie, ein Chiropraktiker, dessen Qualifikationen sich um drei mehr Wochenenden davon unterscheiden, oder ein Chiropractor, der fünf Jahre lang die menschliche Anatomie bis ins Kleinste studiert und mit dem Grad eines Mediziners präzise Behandlungsmethoden erlernt hat.

Achtung! Chiropraktiker, die den akademischen Hintergrund eines Chiropractors nicht besitzen, dürfen sich dennoch als Chiropractoren bezeichnen, da dieser Begriff in Deutschland nicht geschützt ist!

Zum anderen stellt sich die Frage, wieso nicht auch Friseurwaschbecken derart in Verruf geraten sind, wenn man bedenkt, in welch abgefahren unnatürliche Position sie unschuldige Halswirbelsäulen zwingen. Ich für meinen Teil halte gekonnte Chiropractik (mit c!) für absolut empfehlenswert und Klischees à la „Das leiert Bänder aus“ oder „Das macht Schlaganfälle“ für absolut oberflächlich. Worüber sich Instabilos allerdings im Klaren sein sollten: Wenn nach einer Justierung Verspannungen nachlassen, geht eine eingeschworene Stabilisierungskette zugrunde und es kann, da nun das müßig aufgebaute Körpergleichgewicht durcheinandergeraten ist, zu heftigen Alarmreaktionen kommen. Selbst Chiropractoren können so etwas nur schwer nachvollziehen, geschweige denn vorhersagen. Meine Erfahrung ist: Blockaden sind nicht nur böse Bewegungseinschränker. Blockaden sind vor allem körpereigene Schutzmechanismen, die uns vor weitaus schlimmeren Symptomen bewahren wollen. Dennoch, ich halte nach wie vor viel von chiropraktischem Können.

Osteopathie

Der menschliche Körper ist darauf programmiert, harmonisch zu funktionieren und sich selbst zu heilen. Ist diese Fähigkeit blockiert, muss sie wiederhergestellt werden – und zwar unter Berücksichtigung von Körper, Geist, Seele und Umwelt. Andrew Taylor Still, ein amerikanischer Arzt, entwickelte diese Behandlungsmethode Mitte des 19. Jahrhunderts und postulierte folgende Grundprinzipien:

  • Der Mensch wird als eine Einheit betrachtet (und allein das ist mehr als die Schulmedizin anzubieten hat)
  • Die Struktur und die Funktion eines Organes beeinflussen sich gegenseitig
  • Der Mensch besitzt Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte

Diese ganzheitliche Perspektive ist darauf ausgerichtet, die Selbstheilung des Körpers zu reaktivieren. Osteopathen erspüren und behandeln in Disharmonie geratene Körperpartien ausschließlich mit ihren Händen. Doch auch hier rät meine Erfahrung zu Vorsicht. Osteopathen nehmen es mitunter zu genau im Kampf gegen die bösen Blockaden.

Atlastherapie nach Arlen

Davon gibt es mehrere, darunter die Atlastherapie nach Arlen. Die Atlastherapie nach Arlen zeichnet sich durch gezielte Finger- und Stoßimpulse über den Querfortsätzen des Atlas auf einen bestimmten Rezeptorenbereich aus. Abgezielt wird eine Korrektur bestehender Dysbalancen der quergestreiften Muskulatur, um den Sympathikustonus zu regulieren. Dr. Kuklinski hält diese Methode basierend auf gesammelten Erfahrungsberichten von Instabilos für sehr empfehlenswert. Alexandra, eine junge Journalistin, teilt in ihrem Blog ihre Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode. Ich selbst habe eine Atlastherapie nach Arlen nie ausprobiert, sondern zu meinem Bedauern eine dieser Variante entgegengesetzte, in allen Ecken des Landes bekannte  und bejubelte Alternative: Antlantotec/Antlantomed. Meinen Erfahrungsbericht dazu könnt ihr hier lesen.

Atlantotec

Im Buch „Chronische Erkrankungen erfolgreich behandelt mit der Regenerativen Mitochondrien-Medizin“ von Uwe Ohmer wird Atlantotec unter den Manualtherapiemethoden (S. 147) aufgeführt. Ich persönlich rate strikt davon ab. Die Gründe könnt ihr hier nachlesen.

NUCCA

Grob umrissen ist die NUCCA-Therapie wie eine weiterentwickelte Mischung aus Atlantotec/Atlantomed und amerikanischer Chiropraktik. Allen gemeinsam ist die Auflösung der kontinuierlichen Reizung des Zentralen Nervensystems durch Fehlstellungen im Kopf-Hals-Bereich. Der große Unterschied liegt hingegen darin, dass Chiropractoren und Atlastechniker sich im Rahmen der Befundung und Behandlung auf ihren Tastsinn verlassen, wohingegen NUCCA-Therapeuten zusätzlich Röntgenaufnahmen zu Rate ziehen und erst mit der Behandlung beginnen, wenn sie genau durchschaut haben, ob eine Fehlstellung im Bereich des Kopf-Hals-Übergangs vorliegt und welchen Anteil diese Fehlstellung am von Patienten geäußerten Symptomspektrum hat.

Die Behandlung an sich erfolgt mit geübten Griffen im Bereich des Atlas, ähnlich der Vorgehensweise eines Atlastechnikers – allerdings ohne Mini-Presslufthammer. Sofort nach der Intervention wird abermals ein Röntgenbild erstellt, wodurch der Therapeut genau sieht, ob seine Behandlung den intendierten Effekt erzeugen konnte oder ob womöglich eine Nachjustierung erforderlich ist.

Mehr Informationen könnt ihr hier finden. Oder hier.

Proliferationstherapie

Hierbei handelt es sich um ein Injektionsverfahren. Dabei wird eine hochprozentige Glucose- (Traubenzucker)/Lokalanästhetikum-Lösung an die entsprechenden Gelenke gesetzt, sodass die zum Beispiel Bänder in den Regenerationsmodus schalten und die Bildung von Kollagen-Zellen aktiviert wird. Anders formuliert: Es kommt zur Vernarbung und somit zur Stabilisierung.

Kassenleistung: nein.

Anlaufstellen findet ihr hier, bei Dr. Knöringer oder bei Dr. Bärlehner.

Autologe Stammzelltherapie

Körpereigene Stammzellen werden entnommen und in das betreffende Wirbelsäulenareal gespritzt, um die Heilung verletzter Bänder in Gang zu setzen.

Kassenleistung: nein.

Hier geht’s zur ehemaligen Klinik in Belgien (jetzt in der Schweiz) für autologe Stammzelltherapie am Genickgelenk. Diese verlangt vorher einen eindeutigen Nachweis einer Instabilität durch ein Upright-MRT. Hier gelangt ihr zu einer weiteren Anlaufstelle.


Batmanghelidj, F. (2018). Sie sind nicht krank, Sie sind durstig! Heilung von innen mit Wasser und Salz. (15. Auflage), VAK Verlags GmbH.
Kuklinski, B. & Schemionek, A. (2016). Schwachstelle Genick – Ursachen, Auswirkungen und erfolgreiche Therapie. (15. Auflage), Aurum.
Kuklinski, B. & Schemionek, A. (2020). Mitochondrientherapie – Die Alternative. Aurum.
Kuklinski, B. (2018). Das HWS-Trauma – Ursachen, Diagnose und Therapie. (9. Auflage), Aurum.
Kuklinski, B. (2018). Mitochondrien – Symptome, Diagnose und Therapie. Aurum.

Myhill, S. (2018). Diagnosis and treatment of chronic fatigue syndrome and myalgic encephalitis. It’s mitochondria not hypochondria. Chelsea Green.
Ohmer, U. (2013). Chronische Erkrankungen erfolgreich behandelt mit der Regenerativen Mitochondrien-Medizin. tao.


Fotos: Li Sun, Oleg Magni, Lukas, Deeana Creates, Marc Arron Smith – pexels.com, Polina Tanilevitch – pexels.com

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