Diagnose

Das Tückische an CCI ist, dass es für Außenstehende, darunter auch Ärzte, unsichtbar ist. Betroffene sehen gesund aus und auch eine Vielzahl von bildgebenden Untersuchungen erbringt keinen besorgniserregenden Befund. Woran liegt das? Nun, CCI ist primär keine strukturelle Erkrankung, sondern eine funktionelle. Strukturveränderungen, wie beispielsweise Frakturen, Osteophyten (kleine Knochenvorsprünge) oder Tumore, ließen sich mittels MRT, Röntgen oder CT problemlos darstellen. Eine funktionelle Unstimmigkeit hingegen bleibt diesen Instrumenten verborgen, da eine Funktionsstörung sich erst zeigt, sobald die entsprechende Funktion der betroffenen Region angesprochen wird. Das bedeutet: Aufschlussreich ist eine Bildgebung erst, wenn sie die Wirbelsäule unter Einwirkung der Schwerkraft und in verschiedenen Positionen darstellt. Methoden, die diese Bedingungen erfüllen, lauten:

  • Upright-MRT
  • Röntgenaufnahme nach Sandberg
  • 3D-CT in Rotation
  • DMX: Digital Motion X-ray

Neben bildgebenden Verfahren sind ebenfalls diverse Laboruntersuchungen, manuelle Befundmethoden sowie klinische Beurteilungen aus humangenetischer Richtung aufschlussreich.

DMX (Digital Motion X-ray)

DMX (Digital Motion X-ray) ist eine moderne Technologie, die es ermöglicht, Röntgenaufnahmen bei Bewegung zu erstellen. Im Gegensatz zu traditionellen Röntgenaufnahmen, die statische Bilder erzeugen, bietet DMX eine vollständigere Sicht auf das Gelenk und die Bewegungen, die in der Gelenkkapsel stattfinden.

DMX-Technologie verwendet hochmoderne digitale Röntgengeräte, die in der Lage sind, schnelle Aufnahmen während einer Bewegung zu erstellen, was es ermöglicht, Bewegungsmuster und Funktionen genau zu analysieren. Dies kann hilfreich sein, um Gelenkerkrankungen zu diagnostizieren, zu überwachen und zu behandeln, wie zum Beispiel Arthritis, Instabilität und Schmerzen im Gelenk.

Es ist wichtig zu beachten, dass DMX eine ergänzende Technologie ist und dass traditionelle Röntgenaufnahmen und andere Diagnostiktests auch bei der Diagnostik von Gelenkerkrankungen verwendet werden sollten.


EEG

So wie bei mir zeigen EEG-Untersuchungen, die am besten regelmäßig wiederholt werden, Theta-Wellen. Theta-Wellen sind Gehirnwellen, die für Ermüdung stehen (4 bis 8 Hz), also typischerweise in Schlafphasen vorkommen. Zugleich können sie unspezifisch auf verschiedene Erkrankungen hindeuten: Vergiftungen, Stoffwechsel-Erkrankungen, Läsionen etc. Theta-Wellen, die im Wachzustand gemessen wurden, werden von Neurologen oft einfach außer Acht gelassen oder kreativ wegerklärt („Ihr Schädel ist halt sehr schlank.„) Kuklinski (2018) ist allerdings der Meinung, dass dies „nicht statthaft“ sei.

SPECT-Untersuchung

SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) ist eine medizinische Bildgebungstechnik, die verwendet wird, um Funktionsstörungen im Körper zu identifizieren und zu beurteilen. Es arbeitet, indem es eine kleine Menge an radioaktiven Stoffen in den Körper injiziert, die dann von speziellen Kameras verfolgt werden, um Bilder der Blutzirkulation und des Stoffwechsels in bestimmten Teilen des Körpers zu erzeugen.

Eine SPECT-Untersuchung kann verwendet werden, um eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen zu beurteilen, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Störungen, onkologischen Bedingungen und Schmerzen. Es kann auch hilfreich sein, um Stoffwechselprozesse im Körper zu untersuchen und um zu überwachen, wie gut eine Behandlung funktioniert.

Es ist wichtig zu beachten, dass SPECT eine ergänzende Technologie ist und dass andere Diagnostiktests wie CT- oder MRI-Scans auch verwendet werden sollten, um eine vollständige Diagnostik zu gewährleisten.


Wichtige Winkel zur Beurteilung einer CCI/AAI

Clivo Axial Angle (CXA)

Es wird eine Linie entlang der Basis und eine weitere an der Rückseite des Axiskörpers gezogen. Die normale CXA beträgt etwa 155°, nimmt in Flexion (Beugung) 10° ab und in Extension (Streckung) 10° zu. Unter 135° gilt als pathologisch. Hierbei besteht die Gefahr der mechanischen Deformität des Hirnstamms bzw. des Rückenmarks (Henderson et al., 2019).

Wackenheim Linie

Linie, die den Verlauf des Clivus (= eine nach dorsal (hinten) abfallende knöcherne Struktur; trennt die mittlere von der hinteren Schädelgrube) fortsetzt. Sie sollte sich oberhalb des Dens axis befinden oder tangential zu ihm.

Grabb-Mapstone-Oakes-Messung

Mit diesem Maß wird das Vordringen des Dens axis in den oberen Spinalkanal beurteilt. Dadurch kann eine ventrale Hirnstammkompression erkannt werden. Vorgehen: Es wird eine Linie von der Vorderseite des Foramen magnum zum untersten posterioren Part des Axis gezogen. Eine zweite Linie wird senkrecht zur ersten zur Dura eingezeichnet. Der Abstand zwischen dem Schnittpunkt der beiden Linien und der Dura ist das, was die Grabb-Mapstone-Oakes-Messung ergibt.

Basion dens interval (BDI)

Abstand zwischen der unteren Spitze des Basion (vorderer Mittelpunkt des Formane magnum) und der Spitze des Dens axis. Ein Wert > 12 mm ist auffällig.

Basion axial interval (BAI)

Das ist der horizontale Abstand zwischen Basion und posteriorer Axislinie.

Pathologisch: >12 mm

Harris-Messung

BDI + BAI; >12mm = auffällig.


Labordiagnostik

Immer dasselbe: Man fühlt sich beschissen, der Arzt nimmt Blut und am Ende heißt es: „Alles im Normbereich, Sie sind also gesund.“ Tja, wenn man das mal früher gewusst hätte…

Die Erklärung für solche Phänomene ist: Labordiagnostik wird gern in Ruhe betrieben. Das Dumme ist nur, dass Ruheuntersuchungen kaum aussagekräftig sind. Erst unter mechanischer oder olfaktorischer (Geruch) Provokation werden, anders als bei Gesunden, pathologische Anstiege in den Parametern Citrullin, S-100 und Histamin (etc.) sichtbar.

Kurzer Exkurs
S-100 ist das sogenannte Hirnschrankenprotein. Es ist bei Kindern und Jugendlichen physiologisch erhöht, da es wichtig für die neuronale Reifung ist. Bei Erwachsenen wirken hohe Dosen dieses Proteins jedoch toxisch. Dies kann schon nach leichten Kopfverletzungen passieren und dauerhafte kognitive Einschränkungen verursachen. Bei HWS-Geschädigten passiert dies mitunter mehrmals täglich durch Joggen, Treppen steigen, Heben schwerer Gegenstände, Arbeitsbelastung usw.
Nach einer Provokation sollte die Blutentnahme innerhalb von zehn Minuten stattfinden, damit eine reaktive Erhöhung von S-100 noch sicher nachweisbar ist.

Citrullin ist ein heute gern verwendeter Marker für ein Zuviel an Stickstoffmonoxid (NO).

Histamin ist allseits als Allergieauslöser berühmt geworden. Es ist jedoch auch an der NO-Synthese beteiligt und kann somit durch Provokation ansteigen. HWS-Geschädigte leiden oft an der Übermenge Histamin, da sie unter anderem für Herzrasen, Übererregbarkeit und Allergien verantwortlich ist.

Summa summarum:

  • bei HWS-Schädigung steigen unter anderem S-100 (Grenzwert: mehr als 7 Milligramm/Liter), Citrullin (Grenzwert: mehr als 30 Mikrogramm pro Gramm Creatinin), Histamin (Grenzwert: 0,3 bis 1,0 Nanogramm pro Milliliter) und (auch wenn ich es bisher unerwähnt ließ) ebenso NSE (neuronenspezifische Enolase), die immer dann freigesetzt wird, sobald Hirnzellen geschädigt werden (Grenzwerte: mehr als 12 Milligramm/Liter)

Was den Mikronährstoffhaushalt betrifft: Zu Vitamin B12 schrieb ich bereits einen Beitrag, der unter anderem aufzeigt, weshalb normale Bluttests keine Aussage darüber erlauben, ob ein Mangel vorliegt oder nicht. Für die Vitamin-/Mikronährstoff-Analyse im Allgemeinen muss bedacht werden: Die Referenzwerte variieren von Land zu Land und von Labor zu Labor. Klassisches Beispiel: Vitamin D, dessen Referenzwerte unterirdisch sind und sich ausschließlich auf die Vermeidung von Demineralisierungen der Knochen richtet, nicht auf die Werteoptimierung. Kuklinski (2009) erinnert: „Weswegen haben fast alle Zellsysteme dann Vitamin-D3-Rezeptoren, besonders Immunzellen?“

Außerdem: Defizite sind laut Kuklinski (2009) in Serum-Analysen oft nicht erkennbar. Für Vitamin B6, Folsäure und Vitamin B12 beispielweise ist ein Metabolit(Zwischenprodukt)-Anstieg als passenderer Indikator anzusehen.

  • Homocystein bei Folar-, B12- und B6-Mangel
  • Methylmalon, -citronensäure im Urin weist auf einen B12-Mangel hin
  • Cystathioninanstieg als Marker für einen B6-Mangel
  • auch Kalium-, Magnesium- und Zinkdefizite sind hauptsächlich intrazellulär erkennbar, nicht im Serum

Henderson, F. C. et al. (2019). Cervical medullary syndrome secondary to craniocervical instability and ventral brainstem compression in hereditary hypermobility connective tissue disorders: 5-year follow-up after craniocervical reduction, fusion, and stabilization. Neurosurgical review, 42(4), 915–936. https://doi.org/10.1007/s10143-018-01070-4Copy

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