Wer sich schon mal von den heftigen Symptomen einer Kopfgelenksinstabilität ärgern lassen musste, kennt sicher auch den bald darauf einsetzenden Drang, nach dem Auslöser zu suchen. Wir Instabilos wissen: Neben Unfällen zählen dazu vor allem auch genetische Bindegewebserkrankungen. Und Katzen.


Abgefahrene Zusammenhänge oder kann man das ernst nehmen?

Sagt bloß, davon habt ihr nichts gewusst? Na, dann lasst euch mal für einen Moment folgende Tatsache durch den Kopf gehen: Viele Menschen mit Bindegewebsschwäche besitzen Katzen! Ergo: Wer eine Katze besitzt, hat vermutlich auch eine Bindegewebsschwäche und neigt somit zu Symptomen, die einer Gelenkhypermobilität entsprechen – jedenfalls wenn man Mozayeni et al. (2018) glauben möchte.

Nun könnte man meinen, diese Annahme entstand weit außerhalb wissenschaftlicher Prämissen – wie Relevanz und Nutzen – inmitten einer ungerichteten Suche nach abgefahrenen Zusammenhängen a la „Menschen, die mehr als drei Nagellacksorten besitzen, haben Abitur.“ Ahnungslose lassen sich mit sowas schön in die Irre führen, weshalb eben sowas auch gern gemacht wird. Aber nein, in diesem Fall handelt es sich tatsächlich um eine seriöse Fallstudie, bei der ein bisschen mehr dahinter steckt als ziellose Zusammenhänge. Und von dieser möchte ich euch gern berichten.
(Wer übrigens ernsthaft Interesse daran hat, Studien, die ich in meinen Quellen angebe, nachzuschlagen und Schwierigkeiten mit dem Zugang hat, nutze bitte die DOI (also diese Nummer hier: https://doi.org/10.1097/MD.0000000000010465) und füge sie auf folgender Seite ein.)

Mystische Symptome und mystische Erreger

Zu Beginn wird eine mysteriöse Gattung Krankheitserreger vorgestellt, die meist durch Flöhe, Läuse oder durch Kontakt mit flohbefallenen Tieren auf den Menschen übertragen werden (Zoonosen). Sie heißen Bartonella-Bakterien und verursachen meist eher harmlose Symptome, wie beispielsweise ein vorübergehendes lokales Anschwellen der Lymphknoten, Fieber und Abgeschlagenheit. Manche durch Bartonella verursachte Leiden tragen sogar einen Namen, wie zum Beispiel die Katzenkratz-Krankheit, die, wie der Name schon verrät, durch kratzwütige Katzen übertragen wird. Auch hier ist der Verlauf oft unproblematisch. Doch es geht offenbar auch eine Nummer härter, wie bei Mozayeni et al. (2018) nachgelesen werden kann.

2010 wurde eine vormals gesunde Tierärztin auserwählt, an einer Bartonella-Studie teilzunehmen, da diese seit zwei Jahren einer Reihe rheumatischer und orthopädischer Symptome ausgesetzt war. Darunter auch solche, die wir Instabilos nur zu gut kennen: Gelenkschmerzen, Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Kribbeln und Müdigkeit.
Rheumatologen und Ehlers-Danlos(EDS)-Experten sahen bei ihr die Kriterien für den EDS-Typ III, also den Hypermobilen Typ, erfüllt (Beighton-Score: 7/9). Damit trug sie automatisch auch ein hohes Risiko, CCI/AAI auszuprägen. Der positive Test auf zwei Arten Bartonella-Erreger (Bartonella koehlerae und Bartonella henselae) mündete schließlich in einer breitgefächerten Antibiose, die, und jetzt wirds spannend, letztendlich dazu führte, dass die Symptome inklusive Hypermobilität verschwanden (Beighton-Score: 0/9)!

Was kann man damit anfangen?

Liegt eigentlich auf der Hand: Es mag selten vorkommen, aber es kann durchaus passieren, dass eine Ansteckung mit Bartonella-Bakterien eine hEDS-Erkrankung imitiert – indem sie unter anderem eine Bindegewebsschädigung verursacht. Doch diese wäre, so sie denn erkannt wird, heilbar! Heißt also: Für den einen oder anderen Betroffenen von instabilen Kopfgelenken, der zudem viel Kontakt mit Katzen hat oder hatte (oder mit anderen flohbefallenen Tieren, so fair will ich mal sein), könnte der Symptom-Albtraum ein jähes Ende nehmen! Ein Bluttest oder eine Lymphknotenbiopsie können dahingehend Gewissheit geben. Sprecht also mal mit eurem Arzt. 😉


Mozayeni, B. R. et al. (2018). Rheumatological presentation of Bartonella koehlerae and Bartonella henselae bacteremias: A case report. Medicine97(17), e0465. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000010465


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