MLS®-Lasertherapie wird unter CCI-Betroffenen immer häufiger diskutiert. Aus Amerika schwappen viele positive Erfahrungsberichte zu uns herüber. Neben diesen vielversprechenden Beobachtungen lohnt sich jedoch auch ein genauer Blick darauf, was diese Methode tatsächlich leisten kann und wo sie an ihre Grenzen gerät.


Beliebte Methode bei CCI

Die MLS®-Lasertherapie ist eine dieser Methoden, bei denen nicht gedrückt, gespritzt oder „gerichtet“ wird, sondern Licht zum Einsatz kommt. Genauer gesagt: zwei Lichtwellen gleichzeitig, rot und nahinfrarot, sauber aufeinander abgestimmt. Die Idee dahinter: Entzündung runterfahren, Schmerzsignale beruhigen und Zellen ein bisschen anschubsen, wieder besser zu reparieren, was im Dauerstress festhängt.

Im amerikanischen Raum hat sich rund um diese Therapie inzwischen eine große Community gebildet. In Online-Communities wie dem Reddit-Forum r/cervical_instability meldeten sich schon mehrere Betroffene mit unterschiedlichen und sogar teils widersprüchlichen Erfahrungen zu Wort. Doch es zeigt sich ein wiederkehrendes Muster:

Viele schildern, dass sie mit vorsichtiger Skepsis gestartet sind, MLS jedoch als vergleichsweise risikoarme Option ansehen, insbesondere verglichen mit PRP oder PICL. Entsprechend wird MLS® häufig als „Testlauf“ genutzt: Wenn es hilft, macht man weiter; wenn nicht, bricht man ab.

Frühe Effekte: Schmerz und Ruhe

Mehrere Nutzer berichten bereits nach den ersten Sitzungen über:

  • eine spürbare Reduktion von Schmerzen,
  • ein warmes, als angenehm empfundenes Gefühl während der Behandlung,
  • sowie eine allgemeine Beruhigung des Nervensystems.

Schmerzreduktion scheint der früheste und konsistenteste Effekt zu sein. Einige beschreiben, dass sie sich erstmals seit Langem ohne starke Beschwerden bewegen oder schlafen konnten.

Funktion und Alltag

Mit zunehmender Zahl an Sitzungen (oft ab ca. 10–15 Anwendungen) berichten einige über:

  • bessere Gehfähigkeit,
  • mehr Belastbarkeit im Alltag,
  • weniger Abhängigkeit von Nackenstützen oder chiropraktischen Korrekturen.

Diese Verbesserungen werden häufig als funktionelle Stabilität beschrieben – also nicht im Sinne einer „geheilten Instabilität“, sondern als besseres Zusammenspiel von Muskulatur, Schmerzverarbeitung und Kontrolle.

Stabilität: vorsichtige Aussagen

Beim Thema strukturelle Stabilität sind die Berichte deutlich zurückhaltender und differenzierter:

  • Einige Nutzer berichten von einem Gefühl „mehr Halt“ oder „stärkerer posteriorer Strukturen“.
  • Andere stellen ausdrücklich fest, dass tiefe ligamentäre Instabilitäten (z. B. Alarligamente) nicht ausreichend beeinflusst wurden.
  • Mehrere sehen MLS als Vorbereitung oder Ergänzung zu invasiveren Verfahren, nicht als Ersatz.

Ein wiederkehrender Tenor: MLS hilft außen, nicht im Kern der Instabilität.

Dosierung und Nebenwirkungen

Auffällig ist, dass viele Betroffene betonen, wie wichtig ein langsamer Einstieg ist:

  • Zu hohe Intensität oder zu lange Sitzungen können anfänglich zu einer Verschlechterung („Rebound“) führen.
  • Einige berichten, dass sie erst nach Reduktion von Zeit und Frequenz profitieren konnten.

Ernsthafte Nebenwirkungen werden kaum beschrieben, wohl aber vorübergehende Verschlechterungen, insbesondere bei zu aggressivem Protokoll.

Einordnung

All das sind natürlich keine harten Daten, keine Studien, keine Beweise im strengen Sinn. Es sind Stimmen aus einer sehr speziellen Ecke: Menschen, die stark betroffen sind, viel ausprobiert haben und entsprechend auch Hoffnung mitbringen. Erwartung schwingt mit, Wunsch nach Erleichterung sowieso. Und trotzdem: Wenn man all diese Berichte nebeneinanderlegt, ergibt sich ein erstaunlich ähnliches Bild. MLS® wird selten als Wunder oder Heilung beschrieben, eher als etwas, das unterstützt: Schmerz leiser macht, Müdigkeit aus den Muskeln nimmt, den Alltag ein kleines Stück tragbarer werden lässt. Was fast immer mitgedacht wird: Die große strukturelle Lösung, die echte ligamentäre Stabilität, bleibt meist aus oder wird von vornherein gar nicht erwartet.

Was MLS®-Lasertherapie kann und was nicht

Mit etwas mehr Abstand möchte ich ebenfalls betonen: Die MLS®-Lasertherapie kann keine strukturelle kraniozervikale Instabilität beheben. Sie stabilisiert keine Bänder, korrigiert keine Gelenkfehlstellungen und verändert keine biomechanischen Instabilitäten an der kraniozervikalen Übergangszone. Wer sich hiervon eine „Behandlung der CCI an sich“ erhofft, wird enttäuscht werden.

Der potenzielle Nutzen liegt an anderer Stelle, nämlich auf zellulärer und funktioneller Ebene. Für Photobiomodulation ist gut beschrieben, dass Licht im roten bzw. nahinfraroten Bereich in den Mitochondrien, insbesondere an der Cytochrom-c-Oxidase, absorbiert wird. In der Folge kann es lokal zu

  • einer vorübergehenden Steigerung der ATP-Produktion,
  • einer Modulation reaktiver Sauerstoffspezies,
  • sowie zu einer Dämpfung entzündlicher Signalkaskaden kommen.
Mitochondrien mögen es hell. (Bild: Iris,Helen,Silvy – pixabay.com)

Welche Rolle die Mitochondrien spielen

Diese Mechanismen werden seit Jahren im Zusammenhang mit sekundären Mitochondriopathien diskutiert – also Funktionsstörungen der Mitochondrien, die nicht genetisch bedingt sind, sondern durch chronische Belastungen entstehen. Der Umweltmediziner und Mitochondrienforscher Dr. Bodo Kuklinski beschreibt solche sekundären mitochondrialen Störungen bei CCI als nahezu regelhaft: ausgelöst durch chronische Neuroinflammation, autonome Übererregung, mechanischen Stress sowie Mikrozirkulationsstörungen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass eine lokale Photobiomodulation im oberen HWS-Bereich bei manchen Betroffenen zu einer vorübergehenden Verbesserung der zellulären Energieverfügbarkeit führen kann. Klinisch könnte sich das äußern als:

  • geringere muskuläre Ermüdung,
  • reduzierte Schmerzverstärkung,
  • bessere Belastbarkeit,
  • und indirekt als verbesserte Beweglichkeit oder Therapietoleranz.

Was sagt die Forschung?

Die klinische Studienlage zur MLS®-Lasertherapie ist überschaubar. In einer aktuellen doppelt verblindeten, placebo-randomisierten Studie untersuchten Labanca et al. (2025) die Wirkung der MLS®-Lasertherapie bei chronisch unspezifischen Nackenschmerzen.

Das Ergebnis:
In beiden Gruppen (echter Laser und Scheinlaser) verbesserten sich Schmerz und Einschränkung signifikant. Das spricht für einen relevanten Placebo- bzw. Erwartungseffekt, der bei Schmerzinterventionen gut bekannt ist. In einem Punkt schnitt der echte Laser jedoch etwas besser ab: Beweglichkeit, insbesondere bei Rotation und Seitneigung des Kopfes.

Entscheidend ist jedoch:
Die Verbesserungen bei Schmerz und Disability erreichten nicht die sogenannte MCID.

MCID steht für Minimal Clinically Important Difference – also die kleinste Veränderung, die für Patientinnen und Patienten tatsächlich spürbar und alltagsrelevant ist. Ein statistisch signifikanter Unterschied kann existieren, ohne dass Betroffene subjektiv eine echte Verbesserung wahrnehmen. Genau hier schützt das MCID-Konzept vor vorschneller Euphorie und Überinterpretation nackter Zahlen.

Und selbst das muss klar gesagt werden:
Die Studie von Labanca et al. ist keine CCI-Studie. Sie erlaubt keinerlei Aussagen darüber, ob und wie MLS®-Lasertherapie bei CCI wirkt.


In einer weiteren randomisierten, placebo-kontrollierten Studie untersuchten İnce et al. (2023) den Einsatz hochintensiver Lasertherapie (nicht explizit MLS®-Lasertherapie) bei Patienten mit zervikaler Radikulopathie. Alle Probanden erhielten ein Übungsprogramm, ergänzt entweder durch echten Laser, Scheinlaser oder keine Lasertherapie. Zwar verbesserten sich Schmerzen, Funktion und Lebensqualität in allen Gruppen, die Kombination aus Lasertherapie und Bewegung zeigte jedoch die deutlichsten und anhaltendsten Effekte. Wichtig für die Einordnung: Untersucht wurde eine Nervenwurzelreizung, nicht CCI. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, dass Lasertherapie neurogene Schmerzmechanismen modulieren und als unterstützende Maßnahme sinnvoll sein kann, insbesondere in Kombination mit aktiver Therapie.

Schlusssatz

MLS® ersetzt keine Stabilisierung, richtet nichts gerade und macht aus einer Instabilität keine stabile Struktur. Aber sie kann dort ansetzen, wo CCI den Körper dauerhaft überfordert: funktionell, energetisch, nervlich. Nicht als großer Gamechanger, sondern eher als Entlastung. Als eines von mehreren Puzzleteilen, sorgfältig platziert, kann sie für manche den Unterschied machen zwischen ständigem Kämpfen und ein bisschen mehr Spielraum im Alltag.


İnce, S., Eyvaz, N., Dündar, Ü., Toktaş, H., Yeşil, H., Eroğlu, S., & Adar, S. (2023). Clinical efficiency of high-intensity laser therapy in patients with cervical radiculopathy: A 12-week follow-up, randomized, placebo-controlled trial. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation. https://doi.org/10.1097/PHM.0000000000002275

Kuklinski, B. (2018). Das HWS-Trauma. Ursachen, Diagnose und Therapie. Aurum.

Kuklinski, B. (2008). Praxisrelevanz des nitrosativen Stresses. Umwelt & Medizin Verlagsgesellschaft.

Labanca, L., Platano, D., Tedeschi, R., Cappelli, E., Benedetti, M. G., & Berti, L. (2025). Multi-wave locked system laser therapy in chronic non-specific neck pain: a double-blind placebo randomized-controlled trial. European Journal of Physical and Rehabilitation Medicine, 61(4), 645–654. https://doi.org/10.23736/S1973-9087.25.08615-0