Aus der medizinischen Welt sind uns verschiedene Lagerungstechniken für Patienten bekannt, von flach liegend bis aufrecht sitzend. Eine dieser Positionen, die Trendelenburg-Position, sticht aufgrund ihrer einzigartigen Wirkung hervor. So viel sei schon hier verraten: Es hat etwas mit dem Vagusnerv zu tun.


Leg dich hin

Ist jemand krank, lässt ein „Leg dich hin!“ nicht lange auf sich warten. Mediziner wissen jedoch: Liegen ist nicht immer das Beste. Denn je nachdem, was den Patienten plagt, kommen unterschiedliche Lagerungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen in Betracht. Zum Beispiel:

  1. Rückenlage (Supine Position): In dieser Position liegt der Patient flach auf dem Rücken mit den Armen entlang des Körpers. Diese Position wird oft für allgemeine Untersuchungen und chirurgische Eingriffe verwendet, bei denen der Zugang zu verschiedenen Körperregionen erforderlich ist. Sie ist kontraindiziert bei Patienten mit Atemproblemen oder Atemwegsverlegungen sowie bei Patienten mit schwerer Refluxkrankheit, da der Mageninhalt leicht in die Speiseröhre gelangen kann.
  2. Seitenlage (Lateral Position): Der Patient liegt auf seiner Seite, entweder auf der rechten oder linken Seite. Diese Position wird häufig bei der Beatmung von Patienten, zur Vermeidung von Druckgeschwüren oder für Eingriffe an der Seite oder dem Becken angewendet. Vermieden werden sollte sie bei Patienten mit Hüftverletzungen oder Hüftoperationen auf der betroffenen Seite sowie bei Patienten mit starken Schulterproblemen oder Frakturen auf der unteren Seite.
  3. Bauchlage (Prone Position): Bei dieser Position liegt der Patient mit dem Gesicht nach unten. Die Bauchlage wird für Eingriffe oder Untersuchungen am Rücken oder an der Wirbelsäule verwendet. Kontraindiziert ist sie bei Patienten mit schweren Atemproblemen.
  4. Halbsitzende Position (Semi-Fowler’s Position): Der Oberkörper des Patienten ist leicht erhöht, während die Beine flach auf dem Bett liegen. Diese Position wird oft verwendet, um Atembeschwerden zu lindern, den Blutfluss zu erleichtern oder die Nahrungsaufnahme zu unterstützen. Kontraindiziert ist sie bei Patienten mit schwerer Instabilität im Oberkörper oder Nacken sowie bei Patienten, die Schwierigkeiten haben, aufrecht zu sitzen oder zu schlucken.
  5. Lithotomie-Position: In dieser Position liegt der Patient auf dem Rücken, die Beine sind hoch gelagert und gespreizt. Sie wird oft in der Gynäkologie für gynäkologische Untersuchungen und Eingriffe verwendet. Sie ist kontraindiziert bei Patienten mit Hüftproblemen, Hüftoperationen oder Beinvenenthrombosen sowie bei Patienten mit Wirbelsäulenproblemen oder Einschränkungen der Beinbeweglichkeit.
  6. Schocklage: Der Patient liegt flach auf dem Rücken, die Beine sind angehoben. Diese Position wird bei Kreislaufproblemen wie Schock oder Ohnmacht angewendet, um den Blutfluss zum Gehirn zu verbessern. Sie ist kontraindiziert bei Patienten mit schweren Verletzungen des Beckens oder der unteren Wirbelsäule. Sie ist auch ungeeignet für Patienten mit offenen Frakturen der unteren Extremitäten.
  7. Rückenlage mit erhöhtem Oberkörper (Fowler’s Position): Hierbei ist der Oberkörper des Patienten aufrecht gelagert. Diese Position wird zur Linderung von Atembeschwerden und zur Reduzierung von Sodbrennen eingesetzt. Sie ist kontraindiziert bei Patienten mit schweren Nackenverletzungen sowie für Patienten mit bestimmten Augenproblemen, da diese Position den intraokularen Druck erhöhen kann.
  8. Trendelenburg-Position: Die Trendelenburg-Position ist eine Lagerung, bei der der Oberkörper abgesenkt und die Beine angehoben werden, so dass der Körper in einem schrägen Winkel nach unten zeigt. Diese Position wird oft in der Notfallmedizin und bei chirurgischen Eingriffen im Beckenbereich verwendet (da hierbei die Organe so schön beiseiterutschen). Sie ist kontraindiziert bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Problemen oder hohem intrakraniellem und/oder intraokulärem Druck und ebenfalls nicht geeignet für Schwangere im späten Stadium. Gut zu wissen: Die Trendelenburg-Position ist ein alter Trick zur Aktivierung des Nervus vagus (X) und somit des Parasympathikus.
Die Trendelenburg-Position (Bild: wirbelwirrwarr)

Die Trendelenburg-Position und der Vagusnerv

Die Trendelenburg-Position kann den Vagusnerv stimulieren, der eine wichtige Rolle bei der Regulation des Herz-Kreislauf-Systems spielt. Und das geht so: Wenn der Oberkörper abgesenkt wird, erhöht sich der Blutdruck im Kopf, während der Blutdruck in den Beinen abnimmt. Diese Veränderungen im Blutfluss können den sogenannten „Baroreflex“ auslösen.

Gut zu wissen: Der Baroreflex ist ein lebenswichtiger physiologischer Mechanismus, der dazu dient, den Blutdruck im Körper zu regulieren. Dieser Reflex basiert auf speziellen Druckrezeptoren, den sogenannten Barorezeptoren, die sich hauptsächlich in den Blutgefäßen der Halsregion (Karotis-Sinus) und im Aortenbogen befinden. Der Baroreflex funktioniert folgendermaßen:

  1. Detektion von Blutdruckänderungen: Die Barorezeptoren erkennen Veränderungen im Blutdruck. Wenn der Blutdruck steigt oder fällt, registrieren die Barorezeptoren diese Veränderung.
  2. Weiterleitung von Signalen: Wenn die Barorezeptoren eine Veränderung im Blutdruck feststellen, senden sie elektrische Signale an das Vasomotorzentrum im verlängerten Rückenmark und in den Nucleus tractus solitarii (NTS) im Hirnstamm.
  3. Regulierung des Blutdrucks: Das Gehirn verarbeitet die empfangenen Signale und löst entsprechende Reaktionen aus. Wenn die Barorezeptoren einen erhöhten Blutdruck melden, wird beispielsweise der Parasympathikus aktiviert, was zu einer Verlangsamung des Herzschlags und einer Erweiterung der Blutgefäße führt, um den Blutdruck zu senken. Wenn ein niedriger Blutdruck gemeldet wird, aktiviert das Gehirn den Sympathikus, was den Herzschlag beschleunigt und die Blutgefäße verengt, um den Blutdruck zu erhöhen.

Vorsicht

Nochmal zur Sicherheit: Die Aktivierung des Vagusnervs kann in der Trendelenburg-Position für bestimmte Menschen zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Daher ist es wichtig, diese Position sorgfältig anzuwenden.

Aber trotzdem cool, was Körperpositionen so alles bewirken können, oder?