Hat ein Arzt schon mal Folgendes zu dir gesagt? „Ihre Symptome haben nichts mit der Halswirbelsäule zu tun!“ Er hätte eigentlich nur einen Drehstuhl gebraucht. Und eine Prise Ahnung vom Head-Neck Differentiation Test.


Der nachfolgende Test kann Symptome provozieren. Bei Verdacht auf CCI, neurologischen
Erkrankungen, starker Instabilität oder akuter Symptomverschlechterung gehört er in erfahrene Hände und sollte nicht als Selbstexperiment durchgeführt werden.

Der Head-Neck Differentiation Test

  • Die Person sitzt auf einem Drehstuhl.
  • Die Augen sind geschlossen.

Variante 1: Kopf und Körper drehen gemeinsam

  • Der ganze Oberkörper dreht mit dem Kopf nach links und rechts.
  • Der Hals bleibt dabei ungefähr neutral.

Das testet eher: Reagiert das Gleichgewichtssystem, wenn der Kopf durch den Raum bewegt wird?

Kopf bleibt ruhig, Körper dreht darunter

  • Der Untersucher hält den Kopf möglichst stabil
  • Die Person dreht nur den Körper nach links und rechts
  • Der Hals wird dabei verdreht.

Das testet eher: Reagiert das System auf Signale aus dem Nacken?

Ergo:

Kopf bewegt sich im Raum = eher vestibulär.
Hals wird verdreht = eher zervikal.

Wenn vor allem bei der zweiten Variante Symptome auftreten, spricht das dafür, dass der Nacken Schwindel, Benommenheit oder visuelle Störungen mit auslöst.

Wie zuverlässig ist der Test?

Wenn Symptome genau dann auftreten, wenn der Kopf ruhig bleibt und der Hals relativ zum Körper
verdreht wird, ist das klinisch relevant – gesunde Personen reagieren darauf eher selten falsch-positiv. Ein negativer Test schließt den Nacken allerdings nicht sicher aus (Nüesch et al., 2024).

Trotzdem: Ein positiver Test zeigt: Der Nacken kann an bestimmten Symptomen (etwa Schwindel) beteiligt sein.


Nüesch, A., Treleaven, J., & Ernst, M. J. (2024). Validation of the Cervical Torsion Test and Head-Neck Differentiation Test in Patients With Peripheral Vestibular Hypofunction. Physical therapy, 104(7), pzae057. https://doi.org/10.1093/ptj/pzae057