Wenn du CCI hast oder den starken Verdacht darauf, kennst du dieses Spiel bestimmt: Dein Körper zeigt nicht einfach ein klares Symptom. Nein. Er produziert rund um die Uhr ein ganzes Überraschungsprogramm, und mitunter auch dieses wunderbare Extra: kribbelnde Hände, einschlafende Arme, Schmerzen, Schwäche oder das Gefühl, dass mit Schultergürtel, Hals und Armen einfach irgendwas nicht stimmt. Genau da lohnt sich ein Blick aufs Thoracic Outlet Syndrom (TOS), und auf einen einfachen Hinweis-Test: den Roos-Test.
TOS und CCI
Bei CCI verändert sich häufig mehr als nur die Stabilität zwischen Schädel und oberster Halswirbelsäule. Der Körper versucht ständig zu kompensieren: Muskeln im Nacken sind aktiver, die Haltung verändert sich, der Schultergürtel reagiert, und die Atmung rutscht oft stärker in den oberen Brustkorb. Dadurch kann sich auch der enge Durchgang, durch den Nerven und Gefäße vom Hals in den Arm verlaufen, ungünstig verändern oder zusätzlich unter Spannung geraten. Genau deshalb kann für CCI-Betroffene das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) eine große Rolle spielen.
TOS beschreibt eine mögliche Engstelle für Nerven und Gefäße auf ihrem Weg vom Hals in den Arm. Diese Strukturen verlaufen durch einen relativ engen Durchgang zwischen Halswirbelsäule, erster Rippe und Schlüsselbein. Wird dieser Raum, zum Beispiel bedingt durch CCI, kleiner oder geraten dort Nerven oder Gefäße unter Druck, können Symptome wie Kribbeln, Taubheit, Schmerzen oder Schwäche in Armen und Händen entstehen.
Der Roos-Test – ein einfacher Hinweis
Wenn der Verdacht besteht, dass TOS im ganzen CCI-Durcheinander mitmischt, gibt es einen erstaunlich simplen Provokationstest: den Roos-Test (auch Elevated Arm Stress Test genannt). Er gehört zu den klassischen klinischen Tests, mit denen Ärzte und Therapeuten prüfen, ob TOS als Ursache für entsprechende Beschwerden in Frage kommt.
So funktioniert er:
- Hebe beide Arme auf Schulterhöhe.
- Die Ellenbogen sind etwa im rechten Winkel gebeugt – wie zwei Torpfosten.
- In dieser Position öffnest und schließt du langsam deine Hände.
- Das Ganze hältst du bis zu drei Minuten durch.
Währenddessen beobachtet man, ob typische Symptome auftreten.
Ein positiver Hinweis kann sein, wenn relativ schnell Dinge passieren wie:
- Kribbeln in Fingern oder Händen
- Taubheitsgefühle
- Schmerzen im Arm oder Schulterbereich
- schnelle Ermüdung oder Kraftverlust in den Händen
- ein deutliches Schweregefühl in den Armen
Der Hintergrund: In dieser Armhaltung wird der Durchgang zwischen Hals, erster Rippe und Schlüsselbein besonders gefordert. Wenn dort ohnehin wenig Platz ist, können Nerven oder Gefäße schneller reagieren – und genau dann tauchen die bekannten Symptome auf.
Wichtig: Der Test ist kein Urteil
Der Roos-Test ersetzt keine medizinische Untersuchung. Viele Menschen können die Position einfach schlecht halten, weil die Schultermuskeln ermüden. Und manche mit TOS zeigen im Test gar keine deutliche Reaktion.
Was der Test aber kann:
Er kann ein Hinweis sein, dass Beschwerden aus Armen und Händen möglicherweise mit diesem Engpassbereich zusammenhängen.
Gerade bei CCI kann das interessant sein, weil mehrere Dinge gleichzeitig zusammenkommen können: Instabilität im oberen Halsbereich, kompensierende Muskelspannung, Veränderungen in Haltung und Atmung, und dadurch möglicherweise auch mehr Druck im Bereich, durch den die Nerven zum Arm verlaufen.
Wenn der Test Symptome auslöst
Wenn beim Roos-Test relativ schnell Kribbeln, Taubheit, Schmerzen oder deutliche Schwäche in den Armen auftreten, sollte nicht weiter herumgetestet werden. Besser ist es, gezielt jemanden draufschauen zu lassen, der sich mit diesem Bereich auskennt.
Sinnvolle Anlaufstellen können sein:
- Neurologe: prüft vor allem, ob Nerven betroffen sind.
- Gefäßspezialist (Angiologie / Gefäßchirurgie): spezielle Untersuchungen können zeigen, wie sich der Blutfluss in bestimmten Armpositionen verändert.
- Orthopäde: für eine funktionelle Untersuchung
Bei Menschen mit CCI, Hypermobilität oder Ehlers-Danlos-Syndrom ist außerdem wichtig, dass die behandelnden Personen verstehen, dass hier oft mehrere Faktoren zusammenkommen. Beschwerden entstehen dann nicht durch „eine einzige kaputte Stelle“, sondern durch ein Zusammenspiel aus Instabilität, Muskelkompensation, Haltung und Nervensensibilität.
Wichtig für den Arztbesuch
Bevor überhaupt große Diagnostik startet, kann es hilfreich sein, ein paar Dinge zu beobachten und vorm nächsten Arztbesuch zu notieren:
- Werden die Symptome bei Armheben schlimmer?
- Gibt es Positionen, in denen es deutlich besser wird?
- Spielen Haltung, Bildschirmarbeit oder Stress eine Rolle?
- Werden die Hände schneller müde als früher?
Ein positiver Roos-Test kann also auf TOS hinweisen. TOS wiederum zeigt bei vorherrschender CCI auf uncharmante Weise: CCI hat oft Extras im Schlepptau, die man sich echt nicht ausdenken kann.
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