Eigentlich hatte ich das Vertrauen in die Schulmedizin bereits verloren – zumindest was CCI/AAI und alle anderen existierenden chronischen Leiden betrifft. Ausgerechnet ein Arzt, dessen Praxisräume ich noch nie von innen gesehen habe, gab mir ein großes Stück davon zurück.


Aus einer Laune heraus

Wenn mein Zustand es zulässt, besuche ich dann und wann den Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde. Mitunter vergehen jedoch Monate, in denen ich meine Kräfte lieber für Unternehmungen mit meiner Familie mobilisiere.

Insbesondere mit einem Gemeindemitglied und zugleich einem der drei Ältesten stehe ich nichtsdestotrotz ein wenig enger in Kontakt. Er ist Internist, was mir letzte Woche zufällig wieder einfiel, also fragte ich ihn, ob er womöglich von jemandem weiß, der sich mit CCI/AAI auskennt. Da meine Frage jedoch lediglich aus einer Laune heraus entstanden war, nicht aus einer Notwendigkeit, hoffte ich nicht auf ein Wunder.

Am nächsten Tag erhielt ich von ihm eine Nachricht. Darin stand, er habe in meiner Nähe eine Orthopädin gefunden, die CCI/AAI kennt, und bereit ist, mich schon am nächsten Tag in ihrer Praxis zu empfangen. Ich war völlig sprachlos. Ein Arzt, dessen Patientin ich nicht einmal bin und den ich nur von wenigen Treffen kenne, opferte seine Zeit, um mir zu helfen – aus reiner Nächstenliebe und Empathie.

Diese Frau wusste, wovon ich spreche

Tja, was soll ich sagen? Ich begegnete einer jungen Orthopädin, die sich bestimmt eine halbe Stunde Zeit nahm, meiner Geschichte zu lauschen. Nachdem ich berichtet hatte, wie ich sämtliche Untersuchungen und Interventionen in den vergangenen Jahren auf eigene Faust organisieren musste, lachte sie und sagte: „Da haben Sie mir ja schon alles vorweggenommen.“

Es ist schon kurios. Die Vitamin B-Injektionen, auf die ich jahrelang bestanden habe, wurden mir gestern zum ersten Mal ohne Zähneknirschen oder Gehadere verabreicht. Und nun bekomme ich auch einen Notfallplan und eine Halskrause (die ich allerdings nur nutze, sobald das Chaos in mir überhand nehmen sollte).

Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe? Diese Frau wusste, wovon ich spreche! Am Ende unseres wirklich schönen Gesprächs sagte ich nur: „Ich habe Sie gerade lieb…“ und sie lachte abermals und erwiderte freundlich: „Danke, das gebe ich zurück.“


(Foto: Torsten Dettlaff – pexels.com)