Ein Leserbrief, der es in sich hat: Jahrelang litt Mathias unter schwerer HWS-Instabilität – eine Versteifungs-OP schien unausweichlich.
Bis ein Arzt eine übersehene Möglichkeit ansprach: Borreliose trotz negativer Routinetests. Es folgte ein langer Therapie- und Rehaweg, der mehr Geduld verlangte als erwartet. Doch nach und nach veränderten sich Symptome und Stabilität spürbar. Heute kann Mathias sagen: Tschüss CCI!
„Die Versteifungs-OP war eigentlich schon gesetzt.“
2009 war Mathias ein klassischer „Wackelhals“-Patient: starke Hypermobilität, massive Probleme der Halswirbelsäule, Stürze – teils bis zur Bewusstlosigkeit. Eine HWS-Versteifung stand realistisch im Raum.
An eine Lyme-Borreliose dachte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Warum auch? Die üblichen Routinetests waren wiederholt negativ gewesen. Für ihn – und die behandelnden Ärzte – war das Thema damit eigentlich vom Tisch.
Dann kam eine glückliche Fügung. Ein Radiologe, bei dem er vorstellig wurde, nahm sich Zeit, hörte genauer hin und sagte schließlich:
„Sie wollen doch noch ein Leben haben.“
Obwohl die Standardtests unauffällig gewesen waren, überwies er Mathias an einen Immunologen – mit der klaren Frage, ob dennoch eine Borreliose als Ursache infrage kommen könnte.
Dort fiel erstmals ein Begriff, der für Mathias alles veränderte: serumnegative Borreliose – also eine Konstellation, bei der keine klassischen Antikörper nachweisbar sind, obwohl eine immunologische Reaktion auf Borrelien bestehen kann.
Für Mathias begann damit ein völlig neuer Denkansatz – und ein neuer Weg.
Wenn Tests negativ sind – und trotzdem etwas da ist
Die Theorie des Arztes: Manche Patienten bilden keine messbaren Antikörper gegen Borrelien. Das Immunsystem arbeitet anders – mit Killerzellen statt Antikörpern. Standardtests bleiben negativ. Lyme-Borreliose gilt als das „Chamäleon der Infektionskrankheiten“. Unterschiedlichste Symptome, unterschiedlichste Verläufe. Mathias berichtete, man habe ihm erklärt, dass Borrelien Bindegewebe beeinflussen können – Bänder und Sehnen könnten hyperelastisch werden.
Für jemanden mit massiver HWS-Instabilität ist das ein Gedanke, der alles verändert.
Die Blutdiagnostik: differenzierter als gedacht
Ein zentraler Punkt in Mathias’ Geschichte war die Diagnostik. Er berichtet, dass die üblichen Routinetests zuvor wiederholt negativ gewesen seien. Der behandelnde Arzt habe daher Wert auf spezialisierte Blutuntersuchungen in einem erfahrenen Labor gelegt, da Testverfahren nicht vollständig laborübergreifend standardisiert seien.
Zum Einsatz kamen unter anderem:
- Lymphozytentransformationstests (LTT)
- differenzierte Antikörper-Analysen
- Verlaufskontrollen unter Therapie
- später ein Gentest zur Abklärung einer möglichen serumnegativen Immunantwort

Weitere immunologische oder metabolische Parameter seien ausschließlich nach klinischem Befund erhoben worden – nicht pauschal.
Ein später durchgeführter Gentest zeigte bei Mathias eine genetische Konstellation, die bei Borrelieninfektionen mit einer fehlenden oder verminderten Antikörperbildung einhergehen kann. Für ihn war das rückblickend eine Erklärung dafür, warum Standardtests jahrelang negativ geblieben waren.
Warum keine sofortige Lumbalpunktion?
Zur Frage einer Liquordiagnostik erklärte der Arzt laut Mathias, dass er ihm eine Lumbalpunktion zunächst ersparen wollte. Die Blut-Hirn-Schranke erweise sich in der Mehrzahl der Fälle als wirksame Barriere gegen Borrelien, sodass der Liquor häufig unauffällig bleibe.
Eine Liquoruntersuchung sei daher erst dann sinnvoll, wenn trotz liquorgängiger Antibiose persistierende neurologische Symptome bestünden.
Das Wort, das Hoffnung machte: reversibel
Besonders eindrücklich fand ich seine Schilderung: Der Arzt habe ihm erklärt, selbst seine bis dahin unerklärliche Körpergrößenzunahme passe ins Bild – dehnbarere Bänder, dehnbarere Bandscheiben.
Und dann dieser Satz: „Mit erfolgreicher Therapie und ein paar Jahren Reha-Geduld ist das reversibel.“
Geduld. Jahre. Keine schnelle Lösung. Aber eine Perspektive.
Der Therapie-Weg
Mathias startete mit Ceftriaxon-Infusionen – geplant für drei Wochen.
Nach zehn Tagen musste abgebrochen werden (Gallenkolik).
Danach ging es weiter mit:
- Minocyclin (liquorgängig)
- 20 Sitzungen hyperbarer Sauerstofftherapie
- Langfristig Artemisia annua 30:1
- Mikronährstoffe
- Vitamin B12 subkutan
- Regelmäßige Rezidivkontrollen
Später zeigte ein Gentest, dass sein Immunsystem bei Borrelieninfektionen tatsächlich zu einer serumnegativen Antwort neigt.
ABER
Ich möchte an dieser Stelle etwas deutlich machen:
Nicht jede CCI ist infektiös bedingt. Nicht jede Instabilität ist „versteckte Borreliose“.
Aber:
Wenn eine junge, zuvor stabile Struktur plötzlich massiv hypermobil wird und klassische Therapien nicht greifen, dann lohnt es sich, Ursachen neu zu denken. Und vor allem dranzubleiben, selbst wenn erste Tests nichts Neues aufdecken.
Heute?
Mathias schreibt mir, seine Stabilität habe sich über Jahre deutlich verbessert. Sein „Wackelhals“ sei heute kein Thema mehr.
„Tschüss CCI“, schreibt er. Und ich glaube ihm – weil ich selbst erlebt habe, dass Heilung manchmal anders aussieht, als wir es gelernt haben.
Doch Artemisinin, pflanzliche Strategien, spezielle Labordiagnostik – das sind keine Spielzeuge, sondern all das gehört in erfahrene Hände.
Was ich jedenfalls aus seiner Geschichte mitnehme, ist nicht ein einzelnes Medikament oder Manöver.
Sondern:
- Dranbleiben.
- Zweitmeinungen.
- Ursachenforschung statt Symptombehandlung.
- Und Geduld.
Denn manchmal ist Instabilität eben doch kein Schicksal. Manchmal ist sie ein Hinweis.
Danke, lieber Mathias, dass du deine Geschichte mit uns allen teilst.
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