CCI

CCI? Ist das ein Code? Sozusagen schon – denn diese beide Abkürzungen stehen für ein großes polarisierendes medizinisches Phänomen: die instabilen Kopfgelenke. Aber erstmal der Reihe nach.
Die Halswirbelsäule kann alles
Körperliche Symptome haben immer eine Ursache, besonders die seltsamen. Neurologen mögen es noch immer vehement abstreiten, doch als Gebeutelte meiner eigenen Physis halte ich dagegen und bestätige jedem, der es bereits vermutet: Ja, die Halswirbelsäule kann verantwortlich sein für:
- Schwindel
- Schmerzen
- Sehstörungen
- nächtliches Aufschrecken
- Schwäche in Armen und Beinen
- Stromstöße
- Schluckstörungen
- Erschöpfung
- Herzrasen und -stolpern
- Muskelzucken
- Atemnot
- Hörprobleme (Tinnitus, Rauschen, Hörverlust)
- Missempfindungen (Brennen, Kribbeln, Zwicken, Vibrieren)
- Kopfschmerzen/Druck im Kopf
- rot unterlaufene Augen und Ödeme im Gesicht
- extrem hoher Blutdruck im Wechsel mit extrem niedrigen Blutdruck
- kognitive Verlangsamung
- Konzentrationsprobleme
- Gereiztheit
- Benommenheit
Und noch mehr als das. Wenn man so möchte: alles.
Subsumiert wird diese mysteriöse Symptompalette unter dem Begriff HWS-Syndrom, worunter im Grunde alles und nichts zu verstehen ist. Denn Syndrom bedeutet letztendlich nichts anderes als Symptomkombination. Klingt prägnant, erlaubt jedoch keine konkrete Aussage über die individuelle Ursachen. Zu diesen zählen laut Schulmedizin:
- Stress
- Muskelverhärtungen
- muskuläre Dysbalance
- Überspannung der Faszien
- degenerative Veränderungen der Knochenstruktur
- chronischer Flüssigkeitsmangel
- Fehlbelastungen
Manchmal steckt mehr dahinter – zum Beispiel CCI
Wer unter besonders vielen, scheinbar unvereinbaren und stark ausgeprägten Symptomen leidet, stößt früher oder später – meist von selbst – auf das Akronym CCI, hinter dem sich ein vielschichtiges Krankheitsbild verbirgt: die kraniozervikale Instabilität, auch bekannt als Instabilität der Kopfgelenke/Kopfgelenksinstabilität.
Mit CCI ist vor allem eine Instabilität der Verbindung zwischen Schädel und dem ersten Halswirbel (Atlas) gemeint, die gemeinsam das erste Kopfgelenk bilden. Davon unterschieden wird AAI, eine Instabilität des zweiten Kopfgelenks, das sich zwischen Atlas und dem zweiten Halswirbel (Axis) befindet.

Eine Kopfgelenksinstabilität lässt sich jedoch nicht nur danach einordnen, wo sie auftritt, sondern auch wie. Sowohl eine Überdehnung als auch Risse oder vollständige Rupturen wichtiger Bandstrukturen können CCI/AAI auslösen. Im ersten Fall könnte man daher von primär funktioneller, im zweiten Fall von primär struktureller Instabilität sprechen.
Wichtig ist: Instabilität bedeutet nicht einfach, dass im Nacken „etwas wackelt“. Gemeint ist vielmehr, dass die Kopfgelenke unter normalen Belastungen nicht mehr zuverlässig in sicheren Bahnen geführt werden. Die Halswirbelsäule soll Bewegung erlauben, gleichzeitig aber Rückenmark, Hirnstamm, Nervenwurzeln, Hirnnerven und Gefäße schützen. Bei einer Instabilität funktioniert diese Schutz- und Führungsfunktion nicht mehr ausreichend.
Dabei können verschiedene Ebenen eine Rolle spielen. Hypermobilität bedeutet zunächst nur, dass ein Gelenk überdurchschnittlich beweglich ist — das kann der Körper manchmal noch gut kompensieren. Mechanische Instabilität beschreibt dagegen ein strukturelles Problem, zum Beispiel durch überdehnte, geschwächte oder verletzte Bänder, Risse, Rupturen, knöcherne Besonderheiten oder degenerative Veränderungen. Funktionelle Instabilität meint, dass die Steuerung nicht mehr zuverlässig arbeitet: Muskeln, Tiefensensibilität, Gleichgewicht, Augensteuerung und Nervensystem führen das Gelenk nicht mehr präzise genug.
Gerade bei CCI/AAI lassen sich diese Ebenen kaum sauber voneinander trennen. Eine strukturelle Schwäche kann die sensomotorische Kontrolle stören. Eine gestörte Kontrolle kann wiederum dazu führen, dass ein ohnehin empfindliches Gelenk im Alltag schlechter geführt wird. Und manchmal sieht die Struktur auf statischen Bildern weniger dramatisch aus, als sich die Funktion im echten Leben anfühlt.
Deshalb ist CCI/AAI oft so schwer zu erkennen. In einer normalen MRT- oder CT-Aufnahme kann vieles unauffällig wirken, weil die Region in Ruhe betrachtet wird. Das Problem zeigt sich aber häufig erst unter Schwerkraft, in Bewegung, in Flexion, Extension, Rotation oder unter Belastung — also genau dann, wenn die Kopfgelenke ihre eigentliche Aufgabe erfüllen müssten.
In meinem Blog werde ich jeden dieser Aspekte unter CCI oder Kopfgelenksinstabilität zusammenfassen.
Bücher zum Nachwälzen
Für einen bekömmlichen Einstieg ins Thema empfehle ich „Schwachstelle Genick“ von Dr. Bodo Kuklinski*:

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